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Archivische Beschreibung
Hier sind wir wieder mit der Sendung Lichter der Großstadt – Großstadtgeschichten.
Heute macht der Essener Lokalhistoriker Dr. Ernst Schmidt mal Pause.
Heute hat Emil Latussek das Wort.
Emil Latussek ist 86 Jahre alt und seit über 60 Jahren freier Wasserfahrer.
Hinter den freien Wasserfahrern verbirgt sich ein Kanusport-Club in Steele an der Ruhr.
Die Geschichte der freien Wasserfahrer führte unseren Reporter Ludger Fittkau nicht, wie man annehmen könnte, zunächst ins Clubhaus an der Ruhr.
Es geht an einen ganz anderen Ort.
Doch lassen Sie sich überraschen.
Ich habe Platz genommen auf einer harten Turnerbank direkt neben einem Sprungbock mit einem Sprungbrett davor.
Zu meiner Rechten eine große Handel auf alten, abgeschabten Sportmatten und auch der obligatorische Barren, also einige Turngeräte.
Ich blicke in ein riesengroßes Tor, ein altes Fußballtor, das noch mit Draht bespannt ist, also nicht mit einem Netz, sondern mit Draht bespannt ist.
An einem der Querstangen, der Eisenstangen hängt ein
Boxhandschuhe, daneben ein Kegel, ein Tonkegel.
In diesem Fußballtor stehen zwei alte Hochsprungsstände, wie sie so aus meiner Jugendzeit in den 60er Jahren noch bekannt waren, wo man also in eine Sandgrube hüpfen kann.
Hinter diesem Fußball-Tour blicke ich auf eine Halde, und zwar auf eine alte Kohlehalde hoch aufgeschüttet im Vordergrund Eisenbahngleise.
Diese Szenerie ist eine Szenerie nicht aus einer Turnhalle, auch nicht von einem Sportplatz, sondern ich bin in der Ecke
Arbeitersport an der Ruhr in einer Ecke des Ruhrlandmuseums.
Es geht hier um die Geschichte des Arbeitersportes.
Also wer ins Ruhrlandmuseum kommt und sich mal in den Ecken umschaut, wird hier diese Sportszenerie finden.
Und vor mir auf der Bank liegt ein Fotoalbum, ein etwas abgegriffenes Fotoalbum und das hat mich eigentlich hier ins Museum geführt.
Ich sehe nämlich auf einem Foto die Ruhr, auf der Ruhr
Paddler-Kanuten und darunter die Schrift Arbeitersportverein Freie Wasserfahrer Steele anpaddeln auf der Ruhr.
Das ist eine Gruppe von etwa 30 Personen, meistens in zweier Kanus mit einem Wappen, mit einem Wimpel aufgepflanzt auf einem Kanu im Hintergrund, die eine Eisenbahnbrücke, eine Konstruktion wie man sie heute noch bei Steele an der Ruhr findet, die Eisenbahn richte von Steele Richtung Überruhr.
Das ist unser Thema heute, die Geschichte des Arbeitersportvereins Freie Wasserfahrer Stele wollen wir erzählen.
Dazu kommt in der Sendung ein Zeitsäuger, ein altes Mitglied des Vereins zu Wort und wir wollen die Geschichte der Freien Wasserfahrer Stele erzählen.
Die nächste Station auf den Spuren der freien Wasserfahrer führt uns dann doch zur Ruhr, zum Clubhaus am alten Leinfahrt zwischen Stehle und Horst.
Dort hängt über dem Dresen der Vereins eigenen Kneipe noch das Protokoll der Gründungsversammlung vom 17.
August 1929.
Zur Besprechung über die Gründung eines freien Wasserfahrervereins in Stehle haben sich heute im Lokale Spieß-Nottebaums-Kamp einige Sportsgenossen zusammengefunden.
Die Sportsgenossen wählten den Genossen Hans Adonard zum Leiter der Versammlung.
Dieser sprach dann auch einige Worte über den Zweck und die Ziele des freien Wasserfahrervereins Stehle.
Sämtliche elf Sportsgenossen sprachen nun dafür, die Gründung eines freien Wasserfahrervereins vorzunehmen.
Es wurde aber beschlossen, vorherläufig noch als Abteilung des Arbeiter, Turn- und Sportvereins stehle zu bleiben.
Als Vorstand wurden dann die Genossen Hans Ardonat als Vorsitzender, Heinrich Schürmann als Kassierer, Fritz Friedingsdorf als Schriftführer und Eduard Samrotsky als Fahrwart einstimmig gewählt.
Mit dem Appell, fest zusammenzuhalten und die Bewegung durch Zuführung neuer Mitglieder zu stärken, wurde die Versammlung geschlossen.
Stele August 1929, der Schrift früherer Friedingsdorf.
Emil Lattoseck war einer der elf Sportgenossen, die den Arbeiter-Sportclub aus der Taufe gehoben haben.
Wir trafen ihn in seiner Wohnung am Steler Rott.
Ich habe jetzt die Freude, einen der elf Mitbegründer der freien Wasserfahrer Stele Ruhr hier sprechen zu dürfen, Herr Lattoseck.
Ich drehte Ihnen nicht zu nahe, wenn ich Sie frage, wie alt Sie sind.
Ja, wie alt soll man sein?
85 bin ich.
Herr Lottesdeck ist 85 Jahre alt und noch aktiver, freier Wasserfahrer.
Nein, auch nicht mehr aktiv.
Ja, ich paddel ja noch, ne.
Also ein Boot hat da stehen.
Das Wärme ist übertreiben.
Das Boot haben Sie aber noch da stehen und im letzten Jahr sind Sie noch gepaddelt, ne?
Immer noch.
Vor ein Jahr noch gepaddelt auf der Lahn.
Und dann anschließend im Herbst in Holland auf der Maas.
Mit 84 Jahren noch.
Mit 84 Jahren.
Hier mit dem Partner, der gerade rausgegangen ist.
Wir waren 150 Jahre zusammen.
Im Zweier.
Im Zweier gesessen.
Und Sie haben die Freien Wasserfahrer mitbegründet im Jahre 1929.
Ich habe eine Gründungsurkunde gelesen, die hängt ja noch im Bootshaus.
Die elf Genossen treffen sich, haben sich getroffen in einem bekannten Stieler Gasthaus, das auch Treffpunkt der SPD war.
Und das war unten an der Ruhr bei Keder.
Da haben wir dann beschlossen, Boote zu kaufen.
Erst waren das natürlich die Wanderfreunde.
Da haben wir dann die Boote gekauft und haben dann erst bei Keder oben auf der Pritsche gelegen und dann oben im Hafen.
Da haben wir freien Platz gehabt, das war ein Platz von der Stadt, der war noch für 99 Jahre gepachtet.
Und die Pacht ist abgelaufen und da sind wir übergegangen und haben da unser Zeltplatz aufgeschlagen.
Im Heuteierhafen, wo jetzt das Bootshaus steht?
Wo jetzt das Bootshaus steht, da war erst eine Wiese, die war von der Stadt.
für 90 Jahre gepachtet, die war abgelaufen und aufgrund dessen haben wir dann unser Zelte aufgebaut und da kamen wir auf die Idee, hier im Freien Platz ein Bootshaus zu bauen.
Von Brandwein toll und Finsternissen, von unerhörten Güssen nass, von Frosteis weißer Nacht zerrissen, im Maskorp von Gesichten blass, von Sonnen nackt, gebrannt und krank, die hatten sie im Winter lieb, aus Hunger, Fieber und Gestank, sang alles, was noch übrig blieb.
O Himmel, strahlender Azur, enormer Wind, die Segel bläht, lasst Wind und Himmel fahren, nur lasst uns um St.
Marie die See.
Kein Weizenfeld mit milden Winden, selbst keine Schenke mit Musik.
Kein Tanz mit Weibern und Absinnten, kein Kartenspiel hielt sie zurück.
Sie hatten vor dem Knall das Zanken, vor Mitternacht die Weiber satt.
Sie lieben nur verfaulte Planken, ihr Schiff das keine Heimat hat.
O Himmel, strahlend derer zu.
Mit seinen Rappen, seinen Löchern, mit seiner Pest, mit Haut und Haar.
Sie fluchten wüst darauf beim Bechern und liebten es, so wie es war.
Sie knoten sich mit ihren Haaren im Sturm in seinem Mastwerk fest.
Sie würden nur zum Himmel fahren, wenn man dort Schiffe fahren lässt.
O Himmel, strahlend derer zu.
Sie morden kalt und ohne Hass, was ihnen die Zähne springt.
Sie würgen gurgeln so gelassen,
wie man ein Tau ins Mast wegschlägt.
Sie trinken Sprit bei Leichenwachen, nachts Torgeln trunken sie in See, und die, die übrig bleiben, lachen und winken mit der kleinen See.
Oh Himmel, strahlend er laht zu,
Sie leben schön wie noble Tiere, im weichen Wind entrunken blau, und oft besteigen sieben Stiere, eine geraubte fremde Frau.
Die hellen Sterne, nächte Schaukeln, Sie mit Musik in süßer Ruhe, Und mit geblähten Siegeln gaukeln, Sie unbekannten Meeren zu.
Fallender Azur, enorme Wind, die Segel bläht.
Lasst Wind und Himmel fahren nur, lasst uns um St.
Marie die See.
Doch eines Abends im Aprile, der keine Sterne für sie hat, hat sie das Meer in aller Stille auf einmal plötzlich selber sah.
Der große Himmel, den sie lieben,
Für stillen Raub die Sternensicht, Und die geliebten Winde schieben Die Wolken in das milde Licht.
O Himmel, strahlender Aziz,
Sie fühlen noch wie voller Barmen, das Meer mit ihnen heute wacht.
Dann nimmt der Wind sie in die Arme und tötet sie vor Mitternacht.
Und ganz zuletzt in höchsten Masten war es halt Sturm, sogar laut Fri, als ob sie die zur Hölle rasten noch einmal sangen laut wie nie.
O Himmel, strahlender Azur!
Enormer Wind, die Segel bläh!
Lasst Wind und Himmel fahren nur!
Lasst uns um St.
Marie
Das war also nicht der Platz der Stadt, sondern ein freier Platz, den Sie dann letztendlich benutzt haben?
Ja, der Platz war ja, die Park war abgelaufen von der Stadt und da war natürlich der freie Platz und die Erlaubnis haben wir bekommen von der Stadt, wir könnten da ruhig unser Bootshaus bauen.
Dann sind wir übergegangen und
anfangen zu bauen.
Das waren natürlich Handwerker, Maurer, Elektriker und Schreiner gesagt, getan und da ging es los.
Also es waren alles Mitglieder und Freunde des Vereins, die das Haus selber gebaut haben.
Es war ja auch ein Arbeitersportverein.
Ja, wir nannten uns ja damals Freier Arbeitersportgemeinschaft.
Freie.
Freie Wasserfahrer.
Freie Wasserfahrer.
Da haben wir den Namen nachher gegeben.
Freie Wasserfahrer.
1929 gegründet.
Wann ist denn das Clubhaus dann gebaut worden?
Das Clubhaus ist dann gebaut worden.
Laufen das ja also noch vor dem Krieg.
Und natürlich sind dann die von dann aus gegangen.
Da haben wir erst die eine Hälfte gebaut.
Und anschließend wollten wir dann nach dem Krieg, da ist der Krieg ja entstanden, und dann nach dem Krieg wollten wir weiter bauen, die andere Hälfte des Busraus.
Und dann haben wir natürlich Steine, alles Mögliche, Sand und so was zusammengeholt und haben dann gebaut.
1929 ist der Verein gegründet worden, aber die freien Wasserfahrer waren ja als Arbeiter-Sportverein von den Nazis nicht gerade gelitten.
Ja, wie dann natürlich das Österreich entstanden ist, ist man an uns herangetreten und man wollte uns das Bootshaus abnehmen, weil wir von der Freien Wasserfahrer waren, von der SPD.
Und dann ist natürlich, ihr weder abbrechen,
Oder einen anderen Namen geben.
Da sind wir übergegangen.
Mussten wir einen anderen Namen nehmen, hieß es dann Freier ... Wassersport ... Volks- und Wassersport.
Volks- und Wassersport, also ein Name, der ein bisschen nationalsozialistischer klang.
National, aufgrund dessen mussten wir dann den Namen ändern.
Die Freien Wasserfahrer waren einfach zu deutlich sozialdemokratisch.
Es wurden ja alle Organisationen der Arbeiterbewegung auch verboten.
Wir waren damals Wanderfreunde von der SPD hauptsächlich.
Und wir durften dann den Namen nicht mehr weiterführen.
Und weder auflösen oder den neuen Namen nehmen, wir spielen Wassersport.
Damit ist die Geschichte der Freien Wasserfahrer noch nicht zu Ende erzählt.
Wie der Verein die Zeit des Nationalsozialismus überstand, wie das Vereinsleben nach dem Krieg aussah und was heute an der Ruhr los ist, darüber erfahren Sie mehr in der Sendung Lichter der Großstadt, Großstadtgeschichten, heute in 14 Tagen zur gleichen Zeit.
... Musik ...
Das war's für heute
Wunderbar.
Das war's für heute.
Das war's für heute.
Das war's.
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